opel kadett c - das erste weltauto

Die Basis für den Welterfolg war simpel: Die Designer hatten für den Kadett C das Wort Innovation gestrichen. Bei der Präsentation 1973 fuhren sie eine Limousine ohne Schnörkel vor; ohne die damals für Kompaktwagen typische schräge Heckklappe. Die Techniker griffen zu Altbewährtem: Schlichte Vierzylindermotoren mit zunächst 52 oder 60 PS, die Hinterachse liehen sie beim größeren Ascona aus. Als letzter seiner Art wurde der Kadett C noch mit Frontmotor und Heckantrieb ausgestattet.
Der Kadett C sollte nie besonderen Ansprüche erfüllen, sondern lediglich Fahrer und Insassen ans Ziel bringen - und das tat er nach Meinung der zeitgenössischen Tester auch ganz gut. Sie lobten die gegenüber dem Vorgänger verbesserte Rundumsicht, zeigten sich vom Fahrwerk angetan und freuten sich, dass der Benzintank nicht mehr explosionsträchtig an der Seitenwand des Kofferraums montiert war.
Kaum jemand hatte anfangs mit dem Vermehrungsdrang in den Reihen des schlichten Fahrzeugs gerechnet: So war es zwar normal, dass zu einem Zwei- auch ein Viertürer gehörte, ein Kombi galt ebenfalls als Muss. Selbst das flotte Coupé konnte noch als typisch durchgehen. Doch im Laufe der Zeit tat sich vor allem einiges unter dem Blech im Motorraum.
So brachten die Rüsselsheimer in Zeiten der Ölkrise etwas zu Stande, was damals kaum jemand für möglich hielt: ein Sparmodell der Basisausstattung. Das fuhr von 1974 an mit gerade einmal 40 PS über die Straßen und zeigte, dass sich selbst an der kaum vorhandenen Ausstattung noch sparen ließ. Später war dann von Sparen keine Rede mehr - der Kadett C schwang sich zu neuen Höhen auf. GT/E hieß das Kürzel, das aus einem braven Kadett-Coupé eine "Rakete" machte. Ein 1,9-Liter-Motor mit 105 PS Leistung sorgte dafür, dass der Fahrer mit mehr als 180 Stundenkilometern über die Autobahnen rasen konnte. Später gab es dann sogar bis zu 115 PS unter der Motorhaube.
1976 stellte Opel den Kadett Aero vor, die heute gesuchteste Variante. Der Karosseriebauer Baur in Stuttgart hatte einem zweitürigen Kadett den vorderen Teil des Daches entfernt. Dahinter blieb ein Überrollbügel stehen, auch die Fensterrahmen bestanden nach wie vor aus Blech. Den offenen Abschluss bildete dann ein Teilverdeck mit Heckfenster, das sich nach unten klappen ließ. Selbst als 1979 der Nachfolger mit Frontantrieb und Schrägheck anrollte, war die Zeit des Kadett C noch lange nicht abgelaufen.
In der Zwischenzeit hatte der Kadett sich weltweit ausgebreitet: Er rollte als Isuzu Gemini durch Japan, war als Holden in Australien unterwegs und eroberte als Chevrolet oder Pontiac auch die USA. In Argentinien kannte man ihn ebenso wie in Großbritannien, wo er als Vauxhall Chevelle mit schräger Manta-Front unterwegs war. Diesen Abkömmling lernten die Deutschen kennen, als er von 1980 bis 1982 auch hier verkauft wurde. Und als bei uns selbst der Name Kadett schon längst Geschichte war, galt der C in manchen Ländern noch als Neuwagen: In Brasilien blieb der schnörkellose Kadett C unter dem Namen Chevrolet Chevette sogar bis 1994 im Programm.